Hans-Joachim Eckstein_Presse
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Interview

Interview der Evangelischen Landeskirche in Württemberg mit Hans-Joachim Eckstein

 

"Wo wir herkommen, sind wir gewollt, wo wir hingehen, werden wir erwartet", mit diesen Worten beschreibt der Theologie-Professor und Synodale Hans-Joachim Eckstein im Interview den Grund für seine Zuversicht im Zusammenhang eines Geburtstages.

 

Warum feiern Sie Ihren Geburtstag, oder feiern Sie nicht?

Die runden Geburtstage jedenfalls! Es ist eine schöne Gelegenheit, mit Freunden, Kollegen und der Familie in einem größeren Kreis zusammen zu sein und sich an Beziehungen zu freuen, die einem wertvoll sind.

 

Worauf sind Sie stolz?

Da erwischen Sie einen Evangelischen Theologen aber auf dem falschen Fuß! „Stolz“ nicht, aber dankbar und glücklich bin ich in Bezug auf meine beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten als Professor für Neues Testament, im Hinblick auf die vielfältigen Gelegenheiten, durch Bücher, Vorträge und Predigten mit Menschen mir Wesentliches zu teilen.

 

Was haben Sie früher für wichtig gehalten, was halten Sie heute für wichtig?

Ob wir wollen oder nicht, ist unsere erste Lebenshälfte vor allem durch all das bestimmt, was wir beruflich und gesellschaftlich erst noch erreichen müssen. Es ist ein Vorrecht von uns Geisteswissenschaftlern an der Uni, dass wir beruflich wohl vergleichsweise spät, aber dann umso selbstbestimmter, erfüllender und freier den uns wichtigen Themen und Anliegen nachgehen können. Insgesamt verlagert sich das Interesse von eher vordergründigen Sorgen und Zielen hin zu dem, was unser Leben erfüllt und trägt. Etwas plakativ könnten Sie auch sagen: von der Konzentration auf Tun und Haben hin zur Freude an Beziehung und Sein.

 

Wofür setzen Sie sich ein?

Fast wäre es mir herausgerutscht zu sagen: „Für Gott und die Welt!“ Aber mir sind sowohl die Realität des Glaubens wie auch die Begegnung mit Menschen tatsächlich sehr viel wert, so dass ich mich sehr gerne für all das einsetze, was beides zusammenbringt. Dazu gehören gewiss auch Gremien-, Gutachter-, und Beratungstätigkeit, am schönsten empfinde ich aber persönlich die vielfältigen Möglichkeiten, in Lehre, Verkündigung und schriftlicher Kreativität Einzelne, Gruppen und Gemeinden mit dem Wort und mit Worten zu ermutigen.

 

Wie kommen Sie zur Ruhe?

Aus dem Tempo des Alltags am leichtesten durch die Umsetzung in äußere Bewegung – Joggen, Wandern, Skifahren. Zur Not darf es auch mal Rasenmähen, Gartenarbeit oder Schneeschaufeln sein. Musik hören und selbst musizieren, Lesen von „nicht beruflich bedingter Literatur“ oder einfach Entspannen, gehören für meine Frau und mich dann schon zur fortgeschrittenen Erholung.

 

Was macht Sie zuversichtlich?

„Wo wir herkommen, sind wir gewollt; und wo wir hingehen, werden wir erwartet!“ So haben wir vor kurzem einmal in einem Gottesdienst das Bewusstsein des Angenommenseins und der Bejahung im Glauben zusammengefasst. Früher hätte ich vermutet, dass unsere – realistische oder illusorische – Zukunftserwartung uns beflügelt; inzwischen denke ich, dass umgekehrt die Erfahrung von Zugewandtheit und Gemeinschaft in unserer Vergangenheit und Gegenwart uns zuversichtlich, mutig und hoffnungsvoll macht. Da ich biographisch selbst nie unter einer beengenden Form von Religiosität gelitten habe, stand für mich der christliche Glaube schon seit meiner Jugend für gegenseitige Wertschätzung, Zukunftsoffenheit und Lebensentfaltung.

 

Was wünschen Sie sich: für sich selbst, für unsere Kirche, für unsere Welt?

Was mich selbst anbetrifft, haben Sie das mir Wertvolle und Erstrebenswerte ja schon ein wenig herausgelockt. Für unsere Kirche und Welt kann ich leicht daran anschließen. Wenn unsere Beziehungsfähigkeit in unserem Beziehungsbewusstsein gründet und unser Beziehungsbewusstsein in unserer Beziehungserfahrung, dann sehen wir in unserer Kirche – wie viel mehr in unserer Welt! – unzählige Herausforderungen und Entfaltungsmöglichkeiten. Ich wünsche uns als Kirche, dass wir uns immer mehr auf das konzentrieren, was Menschen durch Zuwendung und Aufmerksamkeit hilft, ihr Leben lebensförderlich und gemeinschaftsbezogen zu gestalten. Dass wir damit „die Welt retten“ können, wäre eine Illusion – diese Aufgabe kommt zweifellos Christus selbst zu –, aber ich habe die Hoffnung, dass wir als Kirche durch unsere glaubhaft gelebte Gemeinschaft und unseren lebenswert gelebten Glauben in dieser Welt nicht nur Einzelne, sondern auch Gemeinschaften und Strukturen zu dem inspirieren, was ein beziehungsreiches und erfüllendes Leben ermöglicht.

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